Nachlese Whiskyseminar

imag0187Das Whiskyseminar war wieder ein toller Erfolg.

Viele Weinfreunde und Gäste hatten sich in St. Urban in Freyburg eingefunden, um an der gelungenen Veranstaltung von Martin Heft aus Gleina teilzunehmen, der auch in diesem Jahr mit seinem profunden Fachwissen zu beeindrucken wußte. Die einzelnen Whiskysorten wurden mit einem sehenswerten Vortrag und vielen Bildern begleitet. Nicht zu vergessen die wirklich gut gelungene Tischdekoration, die Antipasti und leckeren Beilagen, wie Filetspießchen, Oliven, uvm. von unserer Weinfreundin Angela. Die Arbeit in der Küche hat sich gelohnt. Es war sehr wohlschmeckend und stellte eine perfekte Verbindung zu den Whiskys her. Musikalisch hatte Weinfreund Frank seine Finger im Spiel.

 

Als ersten Whisky des Abends wurde ein Whisky der Brennerei  Auchentoshan aus Old Kilpatrick, West Dunbartonshire, Schottland eingeschenkt. Heute ist sie eine der letzten in Betrieb befindlichen Brennereien in den Central Lowlands. Dieser 12-Jährige Whisky  lagert sowohl in Ex-Bourbon als auch in gebrauchten Sherryfässern, was sich sofort durch seinen sehr milden, beinahe süßen Geschmack bemerkbar macht.

Aroma: Creme Brulee, getragen von sanften Zitrusfrüchten die die Nase umschmeicheln.

Geschmack: Süß mit einem Hauch von Mandarinen und Zitrusfrüchten.

Abgang: Leicht trocken mit einem Hauch Nuss.

 

IMAG0196_KopieAls zweiter Whisky des Abends wurde ein Aberlour, 16 Years Double Cask Matured, ausgeschenkt.

Herkunft: Schottland, Highlands, Speyside. Hersteller: Campbell Distillers

Der Aberlour 16 Years Double Cask Matured ist ein Single Malt, der nach der Reifung in klassischen Bourbon Fässern wie der Auchentoshan noch zusätzlich in speziellen Sherry Fässern veredelt wird. Diese Nachreifung verleiht dem Aberlour ein  feines Aroma. Aberlour ist bekannt für seinen süßen, malzigen und leicht torfigen Geschmack.

Aroma: Leicht trocken mit floralen Noten, süßen Rosinen und einer würzigen Nussigkeit

Geschmack: Sehr mild und sanft, vollmundig, leicht fruchtig mit Pflaumen und Dörrobst, feine Sherry Prägung

Abgang: Sehr lang, fruchtig und warm würzig

 

Als dritter Whisky kam ein 12 Jahre alter Old Pulteney ins Glas.

Pulteney ist der Name einer Brennerei für Malt Whisky, gelegen in der Hafenstadt Wick der Grafschaft Caithness in Schottland. Der von der Brennerei erzeugte Single Malt Scotch Whisky heißt Old Pulteney, wobei das Wort Old (engl. für 'alt') darauf hinweisen soll, dass der Whisky besonders schnell reift (und nicht, dass er besonders alt ist). Wegen seines leicht salzigen und trockenen Geschmacks trägt er auch den Beinamen Manzanilla des Nordens.

12 Jahre reift dieser Old Pulteney in Eichenfässern, was ihm einen direkten und intensiven Charakter verleiht. Der Geruch ist zunächst süßlich, komplex, und wirkt durch eine Brise Seeluft erfrischend. Im Geschmack überrascht er mit feinen Aromen aus Früchten und Nüssen, die mit einem leichten Anklang von Sherry verwoben sind. Sein Stil ist dabei unverändert gut ausgewogen, weich und beruhigend. Im mittellangen Abgang verspürt man noch eine leichte Meersalznote, die mit einer pfeffrigen Schärfe ausklingt.

Geruch: süßlich, komplex, maritim mit einem Anklang von Seeluft

Geschmack: Früchte und Nüsse, zarter Anflug von Sherry

Abgang: mittellang, schwach salzig und pfeffrige Schärfe

 

IMAG0185_KopieAls vierter Single Malt wurde ein Oban, 14 Years, ins Glas gegeben. Dieser Whisky kam nach den  eher süßlichen Whiskys und dem dezent salzigen Old Pulteney  anfangs etwas zu sperrig daher. Oban ist ein Täuscher, weil er im ersten Mundkontakt etwas grob wirkt, aber nach einem Moment des Verweilens seinen ganzen Geschmack entfaltet und am Ende seine torfigen Noten freigibt. Der Oban fand am Ende der Verkostung, nachdem die kräftigeren Whiskys verkostet waren, durchaus seine Freunde.

Oban ist eine Whiskybrennerei in Oban, Argyll, Schottland, Großbritannien.

Sie gehört zum Spirituosenkonzern Diageo (ehemals United Distillers), der Whisky wird als Teil der Classic-Malts-Serie des Konzerns vermarktet. Das Wasser der zur Region Highlands/Western Highlands gehörenden Brennerei stammt aus dem Loch Gleann a'Bherraidh.

Der Whisky reift vor Ort in Bourbon- und Montilla-Sherry-Fässern und wird dann zur Abfüllung nach Leven, Fife gebracht, wo Diageo eine große Abfüllanlage betreibt.

Aroma: Meerbrise, frischer Torf, Malzigkeit. Im Körper, geschmeidig und fest, viskos.

Geschmack: Täuschend delikater Beginn, duftig, ein Hauch von Seetang auf fruchtigem Hintergrund. Wachsartig, rauchiger, trocken. Im Nachklang aromenreich, geschmeidig.

 

Als fünfter Vertreter kam ein Springbank ins Spiel.

Ich kann mich leider nicht mehr erinnern, ob es der 10 oder der 15 Jahre alte Whisky war. Die Stilrichtung beider Abfüllungen ist salzig, ölig und mit ausgeprägtem Kokosnussgeschmack.

Duft: Hoch entwickelt, Vanille, frisches Leder, Pfeifentabak, Torf und Tee, getrocknete Aprikose

Körper: reichhaltig und voll (!)

Geschmack: sehr komplex, süßer Tabak, rauchiger Hintergrund

Abgang: rußig mit malzigen Tönen

Herkunft: Schottland Springbank Distillers, Campbeltown, Distrikt Argyll

Die Springbank Distillery ist eine Whiskybrennerei auf der Halbinsel Kintyre, Schottland. Sie ist neben Glen Scotia eine der beiden letzten Brennereien der Whiskyregion Campbeltown, in der es früher rund 30 Brennereien gab.

Eine dritte Brennerei, Glengyle, wurde 2004 eröffnet und wird voraussichtlich im Jahre 2014 einen dann 10-jährigen Kilkerran anbieten. Springbank ist seit 1837 im Besitz der Familie Mitchell und hat sich ihre Unabhängigkeit bis heute bewahrt. Gleichzeitig ist sie eine der wenigen Brennereien, die mehr als einen Single Malt herstellen - außer Springbank wird hier auch Longrow und, seit Ende 1997, Hazelburn gebrannt.

 

Zum Schluss kam dann mein ganz persönlicher Liebling, nämlich Laphroig, 10 Jahre.

Ich mags halt salzig und  torfig. Kein Wunder, dass der Whisky so schmeckt, liegen doch die Lagerhäuser völlig ungeschützt direkt an der See. Hans Zieger fand daran übrigens auch Gefallen. Er saß neben mir und geriet zusehends ins Schwärmen.

Die südlichste der Islay-Brennereien verfügt über Lagerhäuser, die direkt am Meer liegen und bei hohem Wellengang vom Wasser umspült werden. Das Salzwasser, die salzige Seeluft, das torfige Wasser aus dem Kilbride Dam und der Torf, der von destillerieeigenen Feldern auf Islay stammt (Glenmachrie Peat Moss) und einen hohen Moos-Anteil aufweist, sollen maßgeblich für den unverwechselbaren Geschmack des Malts verantwortlich sein.

• Duft: Hölzern. Etwas Birne. Spuren von milder Schokolade. Auf jeden Fall mit jener Note, die von vielen »medizinisch« oder »phenolisch« genannt wird.

• Geschmack: wie eine „rauhe See" mit extremem Torf, mithin torfig, salzig, ölig, teerig - mitunter aber auch als medizinisch bezeichnet. Mit einem Tropfen Wasser noch rauchiger und torfiger.

• Abgang: Sehr lang, trocken mit Einbindung der vorherigen Noten.

• Resümee: Ein eigenwilliger, charaktervoller Malt. Tiefgründig und erdverbunden.

 

IMAG0194_KopieNach alldem bleibt festzuhalten, dass eine Whiskyverkostung viel Ähnlichkeit mit Weinverkostungen ausweist.

Den Gästen wars sehr recht. Sie feierten noch bis drei Uhr in der Früh.

 

Ich freue mich schon auf das nächste Jahr. Vielleicht sehen wir uns dann?